FOSvelos 18 (2019-20)
Durch das Corona-Labyrinth
Debora Bötticher
Es ist ein kalter Januarmorgen. Klick- und Handschuhe an, Kappe und Helm auf, Gepäcktasche packen und das Liegerad aus dem Veloständer holen. Auf gehts über Landstrassen durchs Baselland nach Muttenz. Abgemacht habe ich mit Tom, Elisa und Jakob, drei Schüler*innen, die 2020 beim FOSvelos-Projekt dabei waren. 47 Minuten bin ich auf dem Fahrrad, fahre durch die Kälte. Elisa, Jakob, Tom und sieben weitere spürten den Wind ganze vier Wochen im Gesicht. Jeden Tag fuhren sie zwischen 40 und 155 Kilometer, Berg auf, Berg ab, durch Frankreich bis ans Meer, genossen eine Woche auf dem Wasser und fuhren dann über den Gotthard wieder zurück in die Schweiz.
Wie überall hatte auch hier Corona seine Finger im Spiel. Im März konnten die Schüler*innen nicht mehr in die Werkstatt, die Räder wurden erst nach den Sommerferien fertig und die Reise fand für einmal nicht im Sommer sondern erst im Herbst statt. Just als die Gruppe Südfrankreich erreichte, wird die Region zum Quarantänegebiet erklärt. Auch Korsika, das geplante Ziel der Reise, erscheint auf der Liste. Der Reiseplan musste Tag für Tag angepasst werden, heute ungewiss ob morgen gefahren werden kann.
Nichtsdestotrotz war das Projekt ein voller Erfolg. Geschickt schlängelte sich die Gruppe durchs Corona-Labyrinth. Die erste Fahrt auf dem eigenen Velo, das Losfahren – einer der grössten Erfolge, sagt Jakob. Dann die Reise. Nicht nur einfach. Eine grosse Gruppe, verschiedenste Persönlichkeiten, Tag und Nacht verbringt man zusammen, dicht aufeinander, abends ist man ausgelaugt, müde und hungrig, dann muss auch noch gekocht werden. Am besten etwas, was es nicht schon die letzten drei Tagen gegeben hat, die Zelte müssen aufgestellt werden. Nicht selten kommt es zu Diskussionen, Spannungen und strapazierten Nerven. Gleichzeitig bildet sich eine starke Gemeinschaft, es wird unterstützt, geholfen und man motiviert sich gegenseitig. Sei es den Schwächeren Gepäck abnehmen, das Kochen übernehmen, wenn noch ein wenig Restenergie da ist oder bei Unfällen sofort Hilfe leisten. Gemeinsam wird die Reise gemeistert, werden Berge erklommen und hinunter gesaust. “Die Gotthard Abfahrt! Eines der besten Erlebnisse”, findet Elisa.
Auch jetzt, vier Monate später, spürt man der Gruppe das Erlebte an. Sie haben sich besser kennengelernt, sie sind zusammen an persönliche Grenzen gestossen, die Beziehungen zwischen einander haben sich verändert. Freundschaften haben sich auseinandergelebt, andere neu gebildet und doch haben sie alle gemeinsam dieses Projekt realisiert, gemeinsam die Liegevelos gebaut, sind gemeinsam vier Wochen unterwegs gewesen, für immer wird diese Erinnerung bleiben.
Ob sie noch was loswerden wollen? “Macheds alli!”