FOsvelos 19 (2020-21)
Unsere Gruppe startete als erstaunlich grosse Gruppe. 18 Schüler:innen, die sich den Traum vom eigenen, selbstgebauten Wolf & Wolf Liegevelo erfüllen wollten.
Wir fingen im Dezember an, unsere Velos zu bauen, ohne eine wirkliche Ahnung zu haben, ob wir die geplante Reise nach Sardinien wegen Corona im Sommer wirklich würden durchführen können. Doch das schien noch in weiter Ferne und das Bauen stand erst einmal im Vordergrund. Die Velos wurden gelötet, geschliffen, Räder zentriert und Sitze genäht – das Übliche, was bei diesem Projekt so ansteht.
Die Reiseplanung wurde wegen Corona und den unterschiedlichen Bestimmungen der verschiedenen Ländern etwas angepasst, sodass unsere Route nicht über Frankreich führte sondern direkt von der Schweiz nach Italien. Da Gabriel in der Zeit der Veloreise anderweitig unterwegs war und auch Florian nicht die ganze Reise dabei sein konnte, begleitete uns Matthias Jeker. Etwas Neues also, ohne einen Wolf eine Veloreise durchzuführen.
Aus unterschiedlichsten Gründen hatte sich unsere Gruppe stark verkleinert. An einem verregneten Samstagmorgen starteten wir die Reise mit elf Schüler:innen. Sie führte uns nach Lienheim an den Rhein, an den Walensee und bis nach Andeer, von wo wir den Splügenpass in Angriff nahmen. Wir fuhren durch das wunderschöne Zürcher Seeland immer weiter hinauf in die Alpen. Die Höhenmeter wurden mehr und das Tempo langsamer. Doch der Splügenpass wurde von allen mit Bravour bestritten. Abwärts ging es nach Italien in die Po-Ebene, mit jeder Serpentine wurde es wärmer und unten angekommen, war es für uns ungewöhnlich heiss. Geprägt von schmalen Schotterwegen und breiten staubigen Autostrassen mit unzähligen grossen und kleinen Schlaglöchern fuhren wir endlos lange gerade Strassen entlang, manchmal von gossen Alleen gesäumt, manchmal von weiten, trockenen Feldern. Viele Autos hupten uns freudig zu und feuerten uns an, weiter zu fahren, ganz anders wie wir es aus der Schweiz gewohnt waren. Die entgegenkommenden oder überholenden Italienischen Rennvelofahrer:innen grüssten immer sehr herzlich und freuten sich über unsere bunten Grüppchen. Abends kochten wir zusammen z’Nacht, schnippelten das Birchermüesli für den nächsten Morgen und zogen uns dann müde ins Zelt zurück.
Angekommen in Genua konnten wir es kaum erwarten, die Katamarane zu sehen.
Auf die sonst übliche Fahrt durch Korsika mussten wir wegen Corona verzichten, dafür erwarteten uns 10 Tage Segeln, Meer, Wind, Sonne und Wellen. In zwei Tagen und einer Nacht segelten und motorten wir bei viel Flaute und wenig Wind an die Nordspitze von Korsika, für viele die erste Segelerfahrung. Die Segeltage waren von wechselnden Winden, entspanntem Segeln, viel Sonne, schwimmen im Meer und gutem Essen geprägt. Oft sahen wir stundenlang auf das weite Meer, verarbeiteten die letzten Wochen, genossen das Plätschern der Wellen an den Rümpfen und verbrachten die Abende in ruhigen Ankerbuchten. Nach 10 Tagen verliessen wir die lieb gewonnenen Schiffe in Cannigione und fuhren mit Bus und Fähre zurück nach Genua, wo uns Lionel Wirz schon erwartete.
Die Heimreise begann. Wir wählten einen anderen Weg als bei der Hinfahrt, etwas westlicher durch die Po-Ebene an den Lago Maggiore, nach Bellinzona Richtung Gotthard. Früh morgens des zweitletzten Tages starteten wir unsere Gotthard-Überquerung, definitiv ein Höhepunkt der Reise. Als gegen Mittag alle den Pass erreichten, war dies ein grosser Erfolg für die Gruppe, waren wir doch seit Jahren die erste Gruppe, die vollzählig den Gotthard überquerte.
Ein letzter Stopp am Vierwaldstättersee bevor wir in Muttenz bei schönstem Sonnenschein unsere Reise beendeten
Das FOSvelo Projekt 2021 liegt nun mehr als ein halbes Jahr hinter uns. Es hinterlässt eine Vielzahl an wunderschönen Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken. Wir alle haben während des Projektes viele neue Herausforderungen gemeistert, gingen zusammen durch hoch und tief und haben die Möglichkeit bekommen, uns und unsere Mitschüler:innen von ganz neuen Seiten kennenzulernen. Ein gelungenes Projekt, von dem wir alle noch lange zehren werden.
Iris Seitz