FOSvelos 16 (2017-2018)
FREIE FAHRT ANS MITTELMEER
Die FOS-Schüler reisten mit dem selbstgebauten Liegerad von Basel bis nach Koriska.
Eine unvergessliche Reise mit steilen Aufstiegen, schmerzenden Beinen und märchenhaften Buchten.
Debora Bötticher. 4. Juni, 10:07 – Alle Reifen sind gepumpt, die Velolichter aufgeladen, die Gepäcktaschen sind montiert und die Helme auf dem Kopf.
Ein letztes Foto, eine letzte Umarmung, dann heisst es Tschüss! Es kann losgehen! Acht Monate früher, im Oktober 2016, begann das Bauen: Sägen, brechen, schneiden, löten, zentrieren, nähen, schleifen. Unzählige Schritte mussten vorgenommen werden, bis unser Velo endlich Form annahm. Doch sobald die farbig beschichteten Rahmen in der Werkstatt eintrafen, ging es wie am Schnürchen. Schon bald hatten wir unser eigenes, selbstgebautes, fertiges Liegevelo. Was für ein Gefühl!
Die erste Etappe liegt vor uns: Von Basel nach Nizza in sieben Tagen. Schon nach den ersten Kilometern Richtung Solothurn, kurz nach dem Hauenstein, verfahren wir uns. Doch durch den falschen Weg kommen wir an einem Erdbeerfeld vorbei und versüssen uns damit die Weiterfahrt. Von jedem Tag könnte ich ähnliche Geschichten erzählen – jeder Tag hat seine Schwierigkeiten, welche aber (fast) immer von wunderbaren, lustigen und unvergesslichen Erlebnissen übertrumpft werden.
So ist zum Beispiel die Fahrt auf den «Col de la Croix Haute» extrem heiss und anstrengend mit viel Lastwagenverkehr, doch die Abfahrt danach ist traumhaft und der Camping endlich einer mit Waschmaschine.
Als wir unser erstes Ziel erreichen, fahren wir jubelnd am Strand von Nizza entlang. Manch einer schaut uns verständnislos nach – vor allem, als wir am Hafen in drei Töpfen gefühlte 47 Kilo Teigwaren kochen.
Auf der Fähre nach Korsika schlafen wir schliesslich glücklich, erschöpft und voller Vorfreude auf die Insel und das Segeln, auf dem Boden ein.
Da wir nicht alle gleichzeitig auf den Schiffen Solea und Planado sein können, teilen wir uns in drei Gruppen auf, wovon abwechselnd eine Gruppe durch die korsischen Bergen fährt.
Auf den Katamaranen geniessen wir das Meer, die Sonne und den Fahrtwind. Wir erkunden märchenhafte Buchten, lieben es, das Schiff zu steuern, die Segel zu wenden und Knoten zu üben. Wir essen, schlafen und spielen Tichu. Am meisten Freude haben wohl unsere Beine, die sich in diesen Tagen vollständig erholen.
Der Umstieg von den Schiffen wieder auf die Liegeräder ist demnachnicht einfach. Als letzte Gruppe durchqueren wir Korsika in sechs Tagen. Es ist die anstrengendste, gleichzeitig jedoch eine der persönlich besten Zeiten der Veloreise. Wir fahren durch unglaublich schöne Landschaften, gewöhnen uns an Schweine auf der Strasse und es ist sehr angenehm, nur mit einem Drittel der Gruppe zu fahren. Trotzdem freuen wir uns auf die anderen und die letzte Etappe von Genua nach Basel.
Der erste Tag mit wieder allen ist lange, sehr lange. Die Po-Ebene findet kein Ende, es ist heiss und hat viel Verkehr. Dazu überrascht uns gegen Abend ein Gewitter mit starkem Regen – doch wir wollen bis an den See. Nach knapp 200 Kilometern an einem Tag haben wir es endlich geschafft. Wir sind am Lago Maggiore. Die Schweiz, der Gotthard und das finale Eintreffen in Muttenz rücken immer näher. Doch ganz soweit kommt es nicht. Kurz nach Bellinzona müssen wir die Reise wegen einem schweren Unwetter unerwartet abbrechen.
Enttäuschung und Frustration machen sich breit, und während der ganzen Zugfahrt herrscht eine bedrückte Stimmung. Dieser Schluss passt so gar nicht zum Rest der Reise.
Wir sagen uns, die letzte Etappe wird nachgeholt, allerdings glauben wenige wirklich daran. Dann, kurz vor den Herbstferien, klappt es doch! Um 8:30 sind wir in Airolo, bereit, das Finale zu meistern. Gemütlich fahren wir die Tremola hoch, verweilen oben aber nicht lange und sausen sofort den Berg hinunter. Es ist toll, wieder in der Gruppe fahren zu können und das Wetter ist perfekt. Einmal quer durch die Schweiz treffen wir kurz vor zehn Uhr abends todmüde und ausgelaugt aber glücklich in Muttenz ein. Unsere
Veloreise ist komplett. Eine unvergessliche Zeit.